Das Maestrat aktiv entdecken – zwischen Bergen, Felsen und Schluchten
Manchmal versteht man eine Landschaft erst, wenn man sich durch sie bewegt.
Nicht hinter der Windschutzscheibe.
Sondern Schritt für Schritt.
Über einen alten Weg zwischen Trockensteinmauern. Durch einen Wald. Einen steinigen Pfad hinauf. Durch einen Barranco. Von einem Dorf zum nächsten.
Das Maestrat ist wie geschaffen dafür.
Dabei sind es nicht unbedingt gewaltige Höhen oder extreme Höhenunterschiede, die diese Berglandschaft besonders machen.
Es ist ihre Vielfalt.
Felsige Pfade wechseln mit alten Wirtschaftswegen, Waldstücken, offenen Hochflächen, Schluchten und technischen Abstiegen. Hinter einem Berg kann die Landschaft plötzlich vollkommen anders aussehen.
Und überall begegnet man Wegen.
Manche führen heute scheinbar nirgendwohin. Doch früher hatten sie fast immer einen Zweck.
Sie verbanden Dörfer und Masías. Hirten zogen mit ihren Herden darüber. Menschen gingen zum Markt, zur Arbeit, zu einer Quelle, zu ihren Feldern oder auf Wallfahrt.
Heute gehen wir viele dieser Wege aus einem vollkommen anderen Grund.
Früher ging man sie, weil man irgendwohin musste.
Heute gehen wir sie, um wieder zu entdecken, was dazwischen liegt.
Ein Land der alten Wege
Wer im Maestrat wandert, bewegt sich häufig durch eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte von Menschen geprägt wurde.
Trockensteinmauern begleiten die Wege. Alte Masías stehen zwischen Feldern und Wäldern. Terrassen ziehen sich über Hänge, die heute teilweise längst wieder von der Vegetation zurückerobert wurden.
Man findet Brunnen, Quellen, Viehtränken, alte Mühlen und kleine religiöse Wegzeichen.
Und immer wieder stößt man auf Pfade, bei denen man sich fragt, wer sie wohl früher täglich gegangen ist.
Genau das macht Wandern hier für mich so interessant.
Es geht nicht nur um die Landschaft.
Man wandert gleichzeitig durch ihre Geschichte.
7 Pobles de la Tinença – Slow Travel zu Fuß
Nicht jede Wanderung muss morgens beginnen und am Nachmittag am selben Parkplatz enden.
Eine besonders schöne Möglichkeit, die Tinença de Benifassà kennenzulernen, ist die Route 7 Pobles de la Tinença.
Die Rundroute verbindet El Boixar, Coratxà, Castell de Cabres, Bel, La Pobla de Benifassà, El Ballestar und Fredes – sieben kleine Orte im Naturpark Tinença de Benifassà im Norden der Provinz Castellón. Dazwischen liegen Wälder, tiefe Schluchten, alte Saumpfade und Trockensteinlandschaften.
Hier wird aus dem Wandern eine kleine Reise.
Von Dorf zu Dorf.
Durch Wälder, Schluchten und Berglandschaften.
Über alte Wege, auf denen die Entfernungen wieder mit den eigenen Schritten gemessen werden.
Gerade das passt wunderbar zur Tinença.
Diese Landschaft sollte man nicht möglichst schnell durchqueren.
Wer sich mehrere Tage Zeit nimmt, kann unterwegs übernachten, in den Dörfern essen, am nächsten Morgen die Wanderschuhe wieder anziehen und weitergehen.
Kein tägliches Zurück zum Auto.
Kein Wettlauf mit einer Liste von Sehenswürdigkeiten.
Einfach weiterwandern.
Slow Travel zu Fuß.
Und irgendwann verändert sich dabei sogar das Gefühl für Entfernungen.
Ein Dorf ist nicht mehr zwölf Kilometer entfernt.
Es liegt plötzlich einige Stunden Fußweg entfernt.
So haben Menschen diese Landschaft über Jahrhunderte wahrgenommen.
Camí de Conquesta – wenn Geschichte zum Weg wird
Andere Routen erzählen noch unmittelbarer von der Vergangenheit.
Der Camí de Conquesta verbindet Landschaft, historische Orte und alte Wege miteinander.
Der GR 331 Camí de Conquesta ist eine rund 166 Kilometer lange Rundroute durch die Comarca Els Ports. Seine 15 Etappen verbinden unter anderem Vilafranca, Portell de Morella, Cinctorres, La Mata, Olocau del Rey, Todolella, Forcall, Villores, Morella, Castell de Cabres, Vallibona und Ares del Maestrat.
Burgen.
Mittelalterliche Dörfer.
Alte Verbindungen durch die Berge.
Hier findet Geschichte nicht ausschließlich in Museen oder hinter den Mauern eines Monuments statt.
Man bewegt sich mitten durch sie hindurch.
Gerade als mehrtägige Wanderung bekommt eine solche Route einen vollkommen anderen Rhythmus.
Morgens aufbrechen.
Unterwegs anhalten.
Ein Dorf kennenlernen.
Etwas essen.
Übernachten.
Und am nächsten Tag weitergehen.
Geschichte Schritt für Schritt.
GR 8 – der Weg selbst wird zum Ziel
Wer länger unterwegs sein möchte, trifft im Maestrazgo auf einen der großen Fernwanderwege dieses Gebietes: den GR 8.
Im Maestrazgo von Teruel führt sein Hauptverlauf von Las Planas über Bordón, Tronchón, Mirambel, Cantavieja und Fortanete weiter in Richtung Valdelinares. Varianten erschließen zusätzlich Orte wie Molinos, Villarluengo, Pitarque, La Iglesuela del Cid und La Cuba.
Natürlich kann man einzelne Abschnitte gehen.
Doch der eigentliche Reiz eines Fernwanderweges liegt für mich in etwas anderem.
Im Unterwegssein.
Mit dem Auto verschwinden die Kilometer zwischen zwei Dörfern innerhalb weniger Minuten.
Zu Fuß werden daraus Stunden.
Und plötzlich sieht man all das, was dazwischen liegt.
Eine verlassene Masía.
Eine Quelle.
Ein alter Viehweg.
Ein Waldstück.
Eine Trockensteinmauer.
Eine Veränderung der Vegetation.
Oder einfach einen Blick auf die Berge, für den es keinen Namen und keinen markierten Aussichtspunkt gibt.
Das Schönste liegt oft auf den Wegen dazwischen.
Nicht jeder Weg muss weit sein
Bei all diesen großen Routen sollte man eines nicht vergessen:
Man muss nicht tagelang unterwegs sein, um das Maestrat zu Fuß zu entdecken.
Manchmal reichen einige Stunden.
Rund um Ares del Maestrat führen Wege hinauf auf die Mola oder durch den Barranc dels Molins.
Bei Vallibona gibt es wunderschöne Wanderungen durch Wälder und Berglandschaften.
Les Moles de Xert bieten vollkommen andere Perspektiven als die Wege durch die Tinença.
Und auch der Turmell verändert seinen Charakter mit jeder Jahreszeit.
Ich könnte an dieser Stelle problemlos eine lange Liste von Routen schreiben.
Aber genau das möchte ich nicht.
Dieser Artikel soll keine Sammlung von GPS-Tracks sein.
Er soll Lust darauf machen, selbst loszugehen.
Trailrunning – nicht die Höhe macht den Unterschied
Das Maestrat ist nicht nur Wandergebiet.
Auch für Trailrunner bietet die Landschaft hervorragende Trainingsbedingungen.
Dabei sind es nicht unbedingt extreme Höhenunterschiede, die das Gelände anspruchsvoll machen.
Es ist der ständige Wechsel.
Ein gut laufbarer Weg kann innerhalb weniger Minuten in einen felsigen Pfad übergehen. Waldboden wechselt mit losem Gestein. Breitere Wege werden zu schmalen Trails.
Und dann kommen die Abstiege.
Manche davon sind technisch.
Sehr technisch.
Unregelmäßige Felsstufen, loses Geröll, schmale Passagen und ständig wechselnder Untergrund verlangen Konzentration, Trittsicherheit und eine gute Reaktion auf das Gelände.
Gerade deshalb eignet sich die Region hervorragend, um Ausdauer und Technik miteinander zu verbinden.
Nicht die Höhe macht hier den Unterschied – sondern der Untergrund.
Estels del Sud – wenn aus dem Weg eine Herausforderung wird
Wie sich dieses Gelände nach vielen Stunden auf den Beinen anfühlt, durfte ich selbst erleben.
Ich habe die Half Estels del Sud gefinisht:
65 Kilometer in rund 15 Stunden.
Und ich kann versichern:
Nach 65 Kilometern sieht man eine Landschaft etwas anders als bei einem gemütlichen Sonntagsspaziergang.
Doch gerade solche langen Herausforderungen zeigen, wie abwechslungsreich dieses Berggebiet tatsächlich ist.
Über viele Stunden verändert sich der Untergrund immer wieder.
Der Körper wird müde.
Die Beine werden schwerer.
Und irgendwann beginnt man, Entfernungen nicht mehr nur in Kilometern zu denken.
Dann zählt der nächste Anstieg.
Der nächste Abschnitt.
Und irgendwann das Ziel.
Aber die Estels del Sud muss nicht ausschließlich als sportliche Herausforderung erlebt werden.
Man kann diese Landschaft auch langsamer entdecken.
In Etappen.
Mit Zeit für die Umgebung.
Denn ein und derselbe Weg kann vollkommen unterschiedliche Geschichten erzählen.
Es hängt nur davon ab, wie wir ihn gehen.
Maestrat MTB GranTour – 172 Kilometer und viele Möglichkeiten
Eine der großen Möglichkeiten, das Gebiet auf zwei Rädern kennenzulernen, ist der Maestrat MTB GranTour.
Die Rundstrecke führt über rund 172 Kilometer und etwa 3.290 positive Höhenmeter und verbindet die 11 Gemeinden des Reiseziels Maestrat, ànima interior: Càlig, Canet lo Roig, Cervera del Maestre, La Jana, Rossell, Sant Jordi, Sant Mateu, Tírig, Traiguera, Vilar de Canes und Xert. Dabei wechseln sich Forstwege, ländliche Wege, Gravelpassagen und technischere Trails ab.
Man kann daraus eine durchaus sportliche Herausforderung machen.
Ich selbst bin den GranTour beispielsweise in drei Tagen gefahren, jeweils mit Xert als Ausgangspunkt.
Aber wenn wir vom Slow Travel sprechen, würde ich es heute anders angehen.
Denn dann soll Zeit bleiben.
Für einen Kaffee in einem Dorf.
Für ein Mittagessen.
Für ein Foto.
Für einen Abstecher.
Oder einfach dafür, das Fahrrad einmal stehen zu lassen.
Die Reise bestimmt die Etappe – nicht umgekehrt.
Die offiziellen Etappen bieten eine gute Orientierung. Wie lang die eigenen Tagesabschnitte tatsächlich werden, kann man jedoch an Kondition, Zeit und persönliche Interessen anpassen.
Ein fester Ausgangspunkt kann dabei praktisch sein. Von dort lassen sich passende Rundtouren oder einzelne Abschnitte organisieren. Wer lineare Etappen fahren möchte, kann gegebenenfalls Transfers einplanen.
Das ist auch deshalb interessant, weil Übernachtungsmöglichkeiten im Landesinneren nicht überall gleichmäßig vorhanden sind und tägliche Transfers eine Reise schnell verteuern können.
Mit etwas Planung lässt sich der GranTour trotzdem wunderbar langsam entdecken.
Und dann beginnt der eigentlich interessante Teil.
Das Fahrrad einfach einmal stehen lassen
Wer den GranTour langsam fährt, entdeckt schnell, dass einige der interessantesten Momente neben dem Fahrrad stattfinden.
In Tírig kann man die prähistorische Felskunst der Valltorta kennenlernen.
Rund um La Jana und Canet lo Roig stehen monumentale Olivenbäume, von denen einige seit weit über tausend Jahren Teil dieser Landschaft sind.
In Sant Mateu lässt sich eine Etappe mit Kultur und der Geschichte des Weinbaus verbinden.
Und Cervera del Maestre bietet mit Burg und Interpretationszentrum einen weiteren guten Grund, das Fahrrad eine Weile abzustellen.
Vielleicht fährt man an einem Tag 40 Kilometer.
An einem anderen nur 25.
Vielleicht dauert der Museumsbesuch länger als gedacht.
Vielleicht wird aus dem geplanten schnellen Kaffee ein Gespräch.
Dann ist das kein verlorener Tag.
Dann beginnt Slow Travel.
Nicht:
Wie viele Kilometer schaffen wir heute?
Sondern:
Was möchten wir unterwegs entdecken?
Gran Travessia BTT Alt Maestrat
Auch weiter im Landesinneren lässt sich das Gebiet hervorragend auf zwei Rädern erkunden.
Die Gran Travessia BTT Alt Maestrat bietet eine weitere Möglichkeit, Dörfer, Wege und Berglandschaften miteinander zu verbinden.
Sie führt durch das Alt Maestrat und verbindet charakteristische Orte und Landschaften rund um Catí, Culla, Benassal, Ares del Maestrat und Albocàsser; über Varianten lässt sich unter anderem auch Vilar de Canes einbinden.
Auch hier muss die schnellste Zeit nicht das Ziel sein.
Und gerade das E-Bike eröffnet inzwischen Menschen die Möglichkeit zu längeren Touren, für die Distanz oder Höhenmeter sonst eine größere Hürde darstellen würden.
Für mich widerspricht das dem Slow Travel überhaupt nicht.
Entscheidend ist schließlich nicht, wie viel Unterstützung der Motor gibt.
Sondern was man unterwegs wahrnimmt.
Und dann geht es senkrecht nach oben
Bis jetzt haben wir uns vor allem horizontal durch das Maestrat bewegt.
Doch manche meiner Freunde bevorzugen eine andere Richtung.
Nach oben.
Die Kalksteinfelsen des Maestrat bieten ausgezeichnete Bedingungen zum Sportklettern.
Und Xert ist dafür ein besonders gutes Beispiel.
Klettern in Xert – mehr als 100 Wege nach oben
Rund um Xert gibt es inzwischen mehr als 100 eingerichtete Kletterrouten, verteilt auf verschiedene Sektoren.
Und das Gebiet entwickelt sich weiter.
Neue Routen und Sektoren kommen hinzu.
Für den Kletterer, der später mit Seil und Ausrüstung vor der Wand steht, ist es leicht, etwas zu vergessen:
Diese Routen entstehen nicht von selbst.
Hinter ihnen stehen Menschen.
Lokale Kletterer und Erschließer suchen geeignete Linien, richten Routen ein und kümmern sich um deren Erhalt.
Viele investieren unzählige Stunden ihrer Freizeit.
Ohne ihre Arbeit gäbe es viele dieser Möglichkeiten schlicht nicht.
Deshalb gehört an dieser Stelle auch ein Dank an all jene, die diese Routen einrichten und pflegen.
Les Moles sind für uns in Xert eine unverwechselbare Silhouette und ein Teil unserer Landschaft.
Für Kletterer bedeuten diese Felsen noch etwas anderes:
mehr als hundert Möglichkeiten, die Landschaft vertikal zu entdecken.
Mit bestem Dank an unsere unermüdlichen Kletterfreunde vom club #EscaladaMaestrat
Avenc de Comanegra- Xert (Foto cortesía de José Gilabert https://www.cuevascastellon.uji.es/ES6D01.php?id=1394)
Noch tiefer hinein – Barrancos, Höhlen und Avencs
Und wer glaubt, wir hätten damit alle Richtungen ausprobiert, kann noch eine weitere wählen:
nach unten.
Die Kalksteinlandschaft des Maestrat wurde über lange Zeiträume vom Wasser geformt.
An der Oberfläche entstanden Schluchten und Barrancos.
Unter unseren Füßen Höhlen, Spalten und Schächte.
Damit bietet die Region auch Möglichkeiten für Canyoning und Höhlenforschung.
Allein rund um Xert finden sich beispielsweise die Cova del Molinar, die Cova Bonica und der Avenc de Comanegra.
Sie erinnern daran, dass die Landschaft, die wir von oben sehen, nur ein Teil dieser geologischen Welt ist.
Hier gilt allerdings ganz besonders:
Neugier allein ist keine Ausrüstung.
Höhlen, Avencs und technisch anspruchsvolle Barrancos sind keine normalen Wanderwege.
Wer nicht über die notwendige Erfahrung, Ortskenntnis und Ausrüstung verfügt, sollte diese Seite des Maestrat mit erfahrenen Begleitern oder spezialisierten Anbietern kennenlernen.
Es gibt schließlich genügend Abenteuer, bei denen man anschließend auch wieder erzählen möchte, wie schön es war.
Berge ohne Dreitausender
Das Maestrat wird nicht mit den Alpen oder den Pyrenäen um die höchsten Gipfel konkurrieren.
Das muss es auch nicht.
Hier gibt es keine Dreitausender.
Und manche Höhenunterschiede wirken auf einer technischen Routenbeschreibung zunächst überschaubar.
Doch Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Ein felsiger Abstieg kann auf wenigen Kilometern mehr Konzentration verlangen als ein langer, gleichmäßiger Weg.
Ein Barranco kann eine Route vollkommen verändern.
Im Sommer kann die Hitze zum entscheidenden Faktor werden.
Im Winter können Wind, Eis oder gelegentlich Schnee die höheren Lagen verwandeln.
Berglandschaft wird nicht ausschließlich in Höhenmetern gemessen.
Die Berge geben den Rhythmus vor
Wer hier unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur auf Kilometer und Höhenmeter schauen.
Wetter.
Temperatur.
Wasser.
Untergrund.
Tageslicht.
Und die eigene Kondition.
All das entscheidet darüber, wie eine Tour tatsächlich wird.
Im Sommer starte ich persönlich lieber früh.
Gerade in abgelegeneren Gebieten sollte man sich außerdem nicht darauf verlassen, überall Mobilfunkempfang zu haben.
Ein GPS-Track ist hilfreich.
Aber er ersetzt weder Orientierung noch gesunden Menschenverstand.
Und wenn eine Route an diesem Tag nicht passt?
Dann dreht man eben um.
Der Berg ist morgen auch noch da.
Wenn Wasser zur Gefahr wird
Regen ist in der mediterranen Berglandschaft nicht immer harmlos.
Starke Gewitter und Starkregen können innerhalb sehr kurzer Zeit enorme Wassermengen bringen. Ein normalerweise trockener Barranco kann sich dann innerhalb weniger Minuten in einen reißenden Wasserlauf verwandeln.
Besonders tückisch ist dabei:
Es muss dort, wo man gerade unterwegs ist, nicht einmal regnen.
Ein heftiges Gewitter kann viele Kilometer entfernt niedergehen.
Das Wasser sammelt sich im Einzugsgebiet und erreicht Schluchten und Barrancos später – möglicherweise sogar bei blauem Himmel am eigenen Standort.
Deshalb sollte vor jeder Tour nicht nur das Wetter am Ausgangspunkt, sondern auch die Vorhersage für das umliegende Berggebiet geprüft werden.
Bei angekündigtem Starkregen oder Gewittern gehören enge Schluchten und Barrancos nicht auf den Tourenplan.
Und wenn ein Fluss oder Barranco bereits stark angeschwollen ist:
Nicht durchqueren. Umkehren.
Die Kraft und Geschwindigkeit des Wassers werden sehr leicht unterschätzt.
Kein Wanderweg, kein Gipfel und kein geplantes Tagesziel ist es wert, dafür ein unnötiges Risiko einzugehen.
Wenn der Wald geschlossen wird, bleiben wir draußen
Waldbrandgefahr gehört seit jeher zur Realität der mediterranen Berglandschaft.
In besonders heißen und trockenen Sommern steigt dieses Risiko jedoch erheblich.
Nach langen Perioden ohne ausreichenden Niederschlag können Vegetation und Böden extrem trocken sein. Dann kann bereits eine kleine Unachtsamkeit verheerende Folgen haben.
Bei sehr hoher oder extremer Waldbrandgefahr können Wege, Waldgebiete oder Naturparks deshalb vorübergehend gesperrt werden.
Dann gibt es nichts zu diskutieren.
Keine geplante Route.
Keinen persönlichen Rekord.
Und kein Foto ist wichtiger.
Wenn ein Gebiet gesperrt ist, bleiben wir draußen.
Auch das gehört zum Respekt vor der Landschaft – und vor den Menschen, die im Ernstfall ihr Leben riskieren, um Brände zu bekämpfen und andere zu schützen.
Wasser und Feuer gehören seit jeher zu dieser Landschaft. Beide verdienen Respekt.
Wir sind hier nicht allein
Ein Weg durch die Berge ist nicht automatisch ein öffentlicher Freizeitpark.
Viele Routen führen durch landwirtschaftlich genutzte Flächen, Weidegebiete oder in die Nähe von Masías.
Tore und Gatter haben einen Grund.
Weidetiere brauchen Ruhe.
Private Grundstücke bleiben privat.
Und:
Hunde sind willkommen – aber auf Tour immer an der Leine.
Wir bewegen uns durch Lebensräume von Wildtieren, durch Weidegebiete und teilweise über landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Rücksicht gehört deshalb genauso in den Rucksack wie Wasser und gutes Schuhwerk.
Auch Pflanzen, Steine und Tiere müssen nicht mit nach Hause genommen werden.
Und Müll natürlich erst recht nicht.
Eigentlich ist die Regel ganz einfach:
Hinterlasse einen Ort möglichst ein wenig besser, als du ihn vorgefunden hast.
Wenn jeder von uns das versucht, brauchen wir erstaunlich wenige weitere Regeln
Nicht jeder schöne Ort braucht einen Geotag
Wir fotografieren.
Wir teilen.
Wir zeigen anderen schöne Orte.
Das ist wunderbar.
Aber nicht jeder stille Winkel muss anschließend mit exakten Koordinaten im Internet stehen.
Manche Orte vertragen viele Besucher.
Andere nicht.
Ein kleiner Pfad, eine empfindliche Quelle oder ein abgelegener Platz kann sich schnell verändern, wenn plötzlich Hunderte Menschen denselben Punkt suchen.
Deshalb werden wir auch hier nicht jeden besonderen Ort exakt lokalisieren.
Wer wirklich draußen unterwegs ist, kennt ohnehin eines der schönsten Gefühle:
etwas selbst zu entdecken.
Ein anderer Blick auf Entfernungen
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich so gerne zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs bin.
Entfernungen bekommen wieder eine Bedeutung.
Mit dem Auto sind zehn Kilometer kaum der Rede wert.
Zu Fuß können sie einen ganzen Vormittag füllen.
Man spürt einen Anstieg.
Man merkt, wenn der Wald kühler wird.
Man riecht den Rosmarin.
Man hört Wasser, bevor man es sieht.
Und man freut sich plötzlich über Dinge, die im Alltag vollkommen selbstverständlich erscheinen.
Eine Quelle.
Ein Stück Schatten.
Eine Bank.
Oder einfach das Dorf, das irgendwann hinter dem nächsten Bergrücken auftaucht.
Vielleicht ist Slow Travel deshalb gar keine neue Erfindung.
Vielleicht haben wir lediglich wiederentdeckt, was Menschen früher selbstverständlich wussten:
Ein Weg besteht nicht nur aus Start und Ziel.
Fazit – das Schönste liegt dazwischen
Man kann das Maestrat auf viele Arten entdecken.
Zu Fuß.
Laufend.
Auf dem Mountainbike.
Mit dem E-Bike.
Mit Klettergurt und Seil.
Durch einen Barranco.
Oder sogar unter der Erde.
Für einige bedeutet eine perfekte Tour, mehrere Tage von Dorf zu Dorf zu wandern.
Andere suchen einen technischen Trail.
Andere wollen 65 Kilometer an einem Tag schaffen.
Und wieder andere stehen lieber an einer Felswand und überlegen, wie sie die nächsten zwanzig Meter nach oben kommen.
Keine dieser Arten ist richtiger als die andere.
Solange wir eines nicht vergessen:
Die Landschaft ist nicht unsere Sportanlage.
Wir sind dort zu Gast.
Vielleicht besteht der größte Luxus deshalb darin, sich wieder genügend Zeit zu nehmen, um nicht nur das Ziel wahrzunehmen.
Sondern auch den Weg dorthin.
Denn im Maestrat gilt ganz besonders:
Das Schönste liegt oft auf den Wegen dazwischen.
Häufige Fragen zum Wandern und Aktivsein im Maestrat
Wann ist die beste Zeit zum Wandern im Maestrat?
Frühling und Herbst bieten meist besonders angenehme Bedingungen zum Wandern und Radfahren. Im Sommer können die Temperaturen sehr hoch werden; dann empfiehlt es sich, früh zu starten und ausreichend Wasser mitzunehmen. Im Winter können Wind, Kälte, Eis und gelegentlich Schnee die Bedingungen in höheren Lagen deutlich verändern.
Welche mehrtägigen Wanderrouten gibt es im Maestrat und Maestrazgo?
Zu den interessantesten Möglichkeiten gehören die 7 Pobles de la Tinença, der GR 331 Camí de Conquesta durch Els Ports und der GR 8 im Maestrazgo von Teruel. Sie verbinden Dörfer und Landschaften über historische Wege und eignen sich besonders gut, um die Region langsam zu entdecken.
Kann man auch kürzere Wanderungen unternehmen?
Natürlich. Rund um Ares del Maestrat, Vallibona, Xert, Les Moles, den Turmell oder die Tinença de Benifassà gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Touren von wenigen Stunden. Nicht jede Entdeckung des Maestrat muss gleich eine mehrtägige Wanderung sein.
Kann man das Maestrat mit Mountainbike oder E-Bike entdecken?
Ja. Der Maestrat MTB GranTour verbindet auf rund 172 Kilometern elf Gemeinden. Weiter im Landesinneren bietet die Gran Travessia BTT Alt Maestrat eine weitere Möglichkeit, Dörfer und Berglandschaften miteinander zu verbinden. Viele Strecken lassen sich – je nach Erfahrung und Untergrund – auch mit E-Bike oder Gravelbike entdecken.
Braucht man für die Touren einen GPS-Track?
Bei längeren oder abgelegenen Touren ist ein GPS-Track sehr hilfreich. Er ersetzt jedoch weder Orientierung noch eine sorgfältige Tourenplanung. Gerade in abgelegenen Berggebieten sollte man sich außerdem nicht darauf verlassen, überall Mobilfunkempfang zu haben.
Was muss man bei Gewittern und Starkregen beachten?
Mediterrane Barrancos können sich bei Starkregen innerhalb kurzer Zeit in gefährliche Wasserläufe verwandeln – auch wenn es am eigenen Standort nicht regnet. Bei angekündigten Gewittern oder Starkregen sollten enge Schluchten und Barrancos deshalb gemieden werden.
Was gilt bei hoher Waldbrandgefahr?
Bei sehr hoher oder extremer Waldbrandgefahr können Wege, Waldgebiete und Naturparks vorübergehend gesperrt werden. Ist ein Gebiet gesperrt, wird es nicht betreten. Keine Route und kein Foto ist wichtiger als die eigene Sicherheit und der Schutz der Landschaft.
Dürfen Hunde mit auf die Tour?
Grundsätzlich ja – aber für uns gilt: Hunde gehören auf Tour an die Leine. Viele Wege führen durch Lebensräume von Wildtieren, Weidegebiete oder landwirtschaftlich genutzte Flächen. Rücksicht auf Tiere, Bewohner und Eigentum gehört genauso zum Wandern wie gutes Schuhwerk.
Lust auf mehr Maestrat? :
Entdecke das Maestrat (Teil 1): Viel mehr als nur ein Reiseziel
Entdecke das Maestrat (Teil 2): Die jahrtausendealten Olivenbäume des Maestrat
Entdecke das Maestrat (Teil 3) Les Moles, der Turmell und die Bergwelt des Maestrat
Entdecke das Maestrat (Teil 4) Käse aus dem Maestrat
Entdecke das Maestrat (Teil 5) Trüffel aus dem Maestrat
Entdecke das Maestrat (Teil 6) Dörfer, die Geschichten erzählen
Demnächst in unserer Serie:
- Trockenmauerbau
- Feste und Traditionen
- Die Geschmackswelt des Maestrat
- Das Maestrat im Wandel der Jahreszeiten
