Inhaltsverzeichnis
- Eine Landschaft, die älter ist als ihre Grenzen
- Catí – man kommt wegen des Ortes und kehrt wegen der Menschen zurück
- L’Avellà
- Zu Fuß nach Sant Pere de Castellfort
- Culla – magisch, mittelalterlich und ein wenig templarisch
- La Carrasca
- Ares del Maestrat – hoch über dem Maestrat
- Hinauf auf die Mola
- Alte Wege verbinden die Dörfer
- Barranc dels Molins
- Vallibona – verborgen zwischen Bergen und Wäldern
- Eine Wallfahrt, auf die man sieben Jahre wartet
- Mirambel – mittelalterlicher Charme, behutsam bewahrt
- Cantavieja – zwischen Geschichte, Bergen und Sternen
- Castellote – Templer, Berge, Wasser und Wein
- Santolea
- Das Matarraña – Dörfer aus Stein und eine Landschaft mit eigenem Charakter
- Valderrobres
- Els Ports de Beseit – Natur in ihrer wildesten Form
- Dem Matarraña folgen
- Der Ulldemó und „La Catedral“
- Els Estrets d’Arnes
- Ein Dorf ist mehr als seine Häuser
- Reisen, ohne Orte zu konsumieren
- Eine Landschaft ohne Grenzen
- Fazit – wir sind doch längst da
Von alten Mauern, lebendigen Traditionen und einer Landschaft ohne Grenzen
Es gibt Orte, die man wegen ihrer Sehenswürdigkeiten besucht.
Und es gibt Orte, die einem im Gedächtnis bleiben, obwohl man später vielleicht gar nicht mehr genau sagen kann, warum.
Eine Straße aus Naturstein.
Der Klang einer Kirchenglocke.
Ein alter Baum.
Ein Weg durch die Berge.
Ein gutes Essen.
Oder die Menschen, denen man begegnet ist.
Das Maestrat und der historische Maestrazgo sind voll von solchen Orten.
Natürlich gehören Morella mit seiner mächtigen Burg und Sant Mateu mit seiner bedeutenden Vergangenheit zu den bekanntesten historischen Orten der Region. Beide sind einen Besuch wert.
Doch diesmal fahren wir weiter.
Nach Catí, Culla und Ares del Maestrat.
Nach Vallibona, versteckt zwischen den Bergen.
Nach Mirambel, Cantavieja und Castellote.
Und schließlich bis ins Matarraña und in die wilde Bergwelt der Ports de Beseit.
Nicht, weil dies die „schönsten Dörfer“ wären.
Und schon gar nicht, weil man sie auf einer Liste abhaken sollte.
Sondern weil jeder dieser Orte eine andere Geschichte über dieses Land erzählt.
Eine Landschaft, die älter ist als ihre Grenzen
Auf einer heutigen Landkarte verläuft unsere Reise durch unterschiedliche Provinzen und autonome Gemeinschaften.
Für diese Geschichte ist das nur von begrenzter Bedeutung.
Über Jahrhunderte verbanden Wege, Viehzucht, Handel, Märkte, Wallfahrten und familiäre Beziehungen die Menschen auf beiden Seiten der heutigen Grenzen.
Noch heute begegnen uns überall ähnliche Elemente.
Trockensteinmauern.
Masías und Masos.
Oliven- und Mandelbäume.
Alte Viehwege.
Kirchtürme über kleinen Dörfern.
Und Wege, die über Berge führen und Orte miteinander verbinden, die auf einer modernen Verwaltungskarte weit voneinander entfernt erscheinen.
Deshalb folgen wir diesmal keiner Provinzkarte.
Wir folgen den Dörfern und ihren Geschichten.
Catí – man kommt wegen des Ortes und kehrt wegen der Menschen zurück
Catí gehört zu jenen Dörfern, deren Bedeutung man leicht unterschätzt, wenn man nur hindurchfährt.
Seine Geschichte ist eng mit Viehzucht und Wollhandel verbunden. Noch heute erzählen historische Gebäude und alte Straßen von einer Vergangenheit, in der dieser kleine Ort wirtschaftlich bedeutender war, als seine heutige Größe vermuten lässt.
Und auch die Viehzucht ist geblieben.
Mit der Cooperativa de Catí befindet sich hier eine Käserei, deren vielfach ausgezeichnete Käse den Namen des Dorfes weit über das Maestrat hinausgetragen haben.
Doch Catí hat noch eine andere Seite.
L’Avellà – Wasser, Landschaft und ein außergewöhnlicher Ort
Etwas außerhalb des Dorfes liegt l’Avellà.
Die dort entspringende Quelle ist seit Jahrhunderten bekannt. Ihrem Wasser werden traditionell wohltuende Eigenschaften zugeschrieben.
Neben der Quelle befindet sich das Santuario de l’Avellà mit seiner außergewöhnlich reich ausgemalten Kapelle.
Nicht ohne Grund wird sie gelegentlich als die „Sixtinische Kapelle des Maestrat“ bezeichnet.
Doch vielleicht lernt man Catí noch besser kennen, wenn man seine Gebäude irgendwann hinter sich lässt und sich gemeinsam mit den Menschen des Dorfes auf den Weg macht.
Zu Fuß nach Sant Pere de Castellfort
Die traditionelle Wallfahrt von Catí nach Sant Pere de Castellfort gehört zu jenen Bräuchen, bei denen sich Landschaft, Geschichte und Dorfgemeinschaft kaum voneinander trennen lassen.
Zu Fuß geht es durch die Berglandschaft auf Wegen, die schon Generationen zuvor gegangen sind.
Ich selbst begleite diese Wallfahrt inzwischen seit elf Jahren, wann immer es mir möglich ist.
Und vielleicht ist gerade das einer der Gründe, weshalb Catí für mich weit mehr ist als ein schönes historisches Dorf.
Die Gastfreundschaft der Menschen, die Gemeinschaft unterwegs und das gemeinsame Weiterführen einer alten Tradition kann man nur schwer in einem Reiseführer beschreiben.
Man kommt wegen eines Ortes.
Und man kehrt wegen seiner Menschen zurück.
Culla – magisch, mittelalterlich und ein wenig templarisch
Culla trägt den Beinamen „Mágica y Medieval“ – magisch und mittelalterlich.
Solche Bezeichnungen klingen manchmal ein wenig nach Tourismuswerbung.
Doch bei Culla muss ich zugeben:
Es gibt tatsächlich Ecken, die etwas Magisches haben.
Schmale Gassen, steinerne Häuser, alte Durchgänge und kleine Plätze führen hinauf zu den Resten der Burg.
Von dort öffnet sich ein großartiger Blick über die Berglandschaft des Maestrat.
Und hinter diesen Mauern verbirgt sich ein bedeutendes Kapitel mittelalterlicher Geschichte.
Culla gehörte zum Einflussgebiet des Templerordens und wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine seiner letzten großen Erwerbungen auf der Iberischen Halbinsel.
Die Burg und ihre strategische Lage erinnern an eine Zeit, in der diese heute so still wirkenden Berge Teil eines weit verzweigten mittelalterlichen Machtgefüges waren.
Meine erste Erinnerung an Culla beginnt allerdings nicht bei den Tempelrittern.
Sondern unter einem Baum.
La Carrasca – eine alte Dame vor den Toren Cullas
Etwas außerhalb steht die jahrhundertealte Carrasca de Culla.
Sie war eines der ersten Dinge, die ich von Culla kennenlernte.
Und vielleicht passt dieser Baum sogar besser zum Ort als manches Monument.
Seit Generationen steht er dort, während Menschen kamen und gingen und sich das Leben um ihn herum veränderte.
Und anschließend?
Dann darf es ruhig etwas zu essen geben.
Im Restaurant La Carrasca bringt Catalina Gerichte auf den Tisch, bei denen die spanische Sprache eine wesentlich bessere Beschreibung kennt als jede gastronomische Rezension:
para chuparse los dedos.
Oder auf Deutsch:
Zum Fingerlecken gut. 😄
Culla kann man wegen seiner mittelalterlichen Geschichte besuchen.
Wegen der Aussicht.
Wegen einer jahrhundertealten Steineiche.
Oder wegen des Essens.
Am besten verbindet man einfach alles miteinander.
Ares del Maestrat – hoch über dem Maestrat
Manche Orte lassen sich nur schwer erklären.
Ares gehört dazu.
Die Häuser scheinen unmittelbar an den gewaltigen Felsen der Mola d’Ares gebaut worden zu sein.
Beim ersten Anblick stellt man sich fast automatisch die Frage:
Wie kam jemand auf die Idee, genau hier ein Dorf zu bauen?
Fotografisch ist Ares ein Geschenk.
Aber es wäre schade, nur für das Foto zu kommen.
Hinauf auf die Mola
Wer Zeit mitbringt, sollte Ares auch von oben betrachten.
Der Aufstieg auf die Mola d’Ares verändert die Perspektive vollständig.
Plötzlich liegt das Dorf unter einem, während sich dahinter der Blick über den Barranc de la Carbonera und die Berglandschaft öffnet.
Besonders schön finde ich diesen Weg im Frühjahr.
Dann blühen in den tieferen Lagen die Mandelbäume und setzen helle Farbtupfer zwischen Felder, Trockensteinmauern und Berge.
Unten sieht man ein Dorf, das sich an einen Felsen schmiegt.
Oben versteht man, wie eng Dorf und Landschaft miteinander verbunden sind.
Alte Wege verbinden die Dörfer
Ares begegnet uns außerdem in der Geschichte von Catí wieder.
Auf der traditionellen Wallfahrt nach Sant Pere de Castellfort wird Ares am zweiten Tag auf dem Rückweg zu einer Station.
Und plötzlich versteht man etwas, das auf einer modernen Straßenkarte leicht verloren geht:
Diese Dörfer waren nie isolierte Punkte.
Menschen gingen zu Fuß von Ort zu Ort.
Zu Märkten.
Zur Arbeit.
Mit ihren Herden.
Zu Festen.
Oder auf Wallfahrt.
Wenn das Wasser in den Barranc dels Molins zurückkehrt
Eine der bekanntesten Wanderungen rund um Ares führt durch den Barranc dels Molins mit seinen historischen Mühlen.
Nach starken Regenfällen zeigt die Landschaft dort eine besonders eindrucksvolle Seite.
Wasser läuft wieder durch den Barranc, über Felsen entstehen Kaskaden und eine häufig trocken wirkende Landschaft verändert sich innerhalb kurzer Zeit vollkommen.
Vielleicht liegt gerade darin ihr besonderer Reiz.
Die Landschaft entscheidet selbst, wann sie ihre Wasserfälle zeigt.
Vallibona – verborgen zwischen Bergen und Wäldern
Es gibt Orte, die man besucht.
Und es gibt Orte, zu denen man vom ersten Augenblick an eine besondere Beziehung entwickelt.
Vallibona ist für mich so ein Ort.
Ich lernte das Dorf auf meiner ersten Reise nach Spanien kennen.
Wir waren unterwegs, die Straße zog sich durch die Berge und irgendwann hatte ich das Gefühl, dieser Weg würde überhaupt nicht mehr enden.
Kurve um Kurve.
Berge.
Noch eine Kurve.
Und wieder Berge.
Bis wir schließlich oben am Pass ankamen.
Und plötzlich lag es dort unten.
Vallibona.
Zwischen den Bergen, fast verborgen in der Landschaft.
Ich erinnere mich noch heute an diesen ersten Anblick.
Vielleicht gerade deshalb ist Vallibona für mich so etwas wie eine platonische Liebe geblieben.
Und das Schönste daran?
Viele Jahre später erkenne ich noch immer das Dorf wieder, in das ich mich damals ein wenig verliebt habe.
Man muss nach Vallibona wollen
Natürlich hat sich Vallibona verändert.
Aber es hat seinen Charakter erstaunlich gut bewahrt.
Die Lage.
Die engen Straßen.
Die Häuser.
Die Ruhe.
Und dieses besondere Gefühl, weit weg zu sein.
Man kommt normalerweise nicht zufällig nach Vallibona.
Man muss nach Vallibona wollen.
Und bereits der Weg dorthin gehört zum Erlebnis.
Ich bin inzwischen auf vielen Wanderwegen rund um Vallibona unterwegs gewesen, und es fällt mir schwer, einen einzigen herauszugreifen.
Wälder, Bergrücken, alte Wege, Trockensteinmauern und immer wieder überraschende Ausblicke machen die Umgebung mindestens ebenso interessant wie das Dorf selbst.
Eine Wallfahrt, auf die man sieben Jahre wartet
Eine der außergewöhnlichsten Traditionen verbindet Vallibona mit Pena-roja de Tastavins.
Nur alle sieben Jahre machen sich die Menschen auf den alten Weg zwischen beiden Orten.
Eine Tradition, die eindrucksvoll zeigt, wie wenig unsere heutigen Verwaltungsgrenzen über die historischen Beziehungen dieser Bergdörfer erzählen.
Wege verbanden die Menschen lange bevor Landkarten sie trennten.
Mirambel – mittelalterlicher Charme, behutsam bewahrt
Mirambel ist einer dieser Orte, bei denen man nach wenigen Schritten merkt, dass etwas anders ist.
Natürlich sind da die Mauern.
Die Portale.
Die alten Häuser.
Die engen Gassen.
Aber vor allem gibt es erstaunlich wenig, was dieses Bild stört.
Bei der Restaurierung und Erhaltung des historischen Ortskerns wurde großer Wert darauf gelegt, den Charakter des Dorfes zu bewahren.
Moderne Infrastruktur drängt sich optisch kaum in den Vordergrund. Keine Kabelbündel ziehen sich kreuz und quer über historische Fassaden.
Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich harmonisches Gesamtbild.
Und genau deshalb hat man in Mirambel manchmal das Gefühl, durch ein historisches Dorf zu gehen – und nicht durch eine historische Kulisse.
Sein besonderer Reiz liegt für mich deshalb nicht in einem einzelnen Monument.
Es ist das Ganze.
Ein Tor.
Eine Gasse.
Ein steinerner Hauseingang.
Ein kleiner Platz.
Ein Fenster.
Und die nächste Ecke.
Mirambel zeigt sehr schön, dass Denkmalschutz nicht nur bedeutet, einzelne bedeutende Gebäude zu restaurieren.
Manchmal geht es darum, den Charakter eines ganzen Ortes zu bewahren.
Cantavieja – zwischen Geschichte, Bergen und Sternen
Cantavieja gehört zu den Orten, bei denen es sich lohnt, länger als ein paar Stunden zu bleiben.
Schon seine Lage ist spektakulär.
Der Ort erhebt sich auf einem felsigen Plateau über der Landschaft des Maestrazgo.
Sein historischer Ortskern besitzt jene Mischung aus Stein, Gassen und Plätzen, bei der man schnell die Zeit vergisst.
Doch Cantavieja ist auch ein hervorragender Ausgangspunkt, um die Umgebung zu entdecken.
Rund um den Ort gibt es wunderschöne Wanderwege.
Manche führen durch trockene, offene Berglandschaften.
Andere überraschen mit Wasser, Schluchten und einer völlig anderen Vegetation.
Innerhalb weniger Kilometer kann die Landschaft ihr Gesicht vollkommen verändern.
Und wenn es dunkel wird …
Dann beginnt eine andere Entdeckung.
Die sehr geringe Lichtverschmutzung macht große Teile des Maestrazgo zu einem außergewöhnlichen Gebiet für die Beobachtung des Nachthimmels.
Bei Cantavieja befindet sich ein astronomischer Beobachtungspunkt, von dem aus sich dieser Himmel besonders eindrucksvoll erleben lässt.
In einer klaren, mondlosen Nacht versteht man schnell, was ein wirklich dunkler Himmel bedeutet.
Plötzlich sieht man nicht einige Sterne.
Sondern Tausende.
Und unter guten Bedingungen zieht sich die Milchstraße über die Berglandschaft.
Tagsüber schaut man von Cantavieja auf den Maestrazgo.
Nachts schaut man ins Universum.
Und wer daraus einen kleinen Aufenthalt machen möchte, findet mit dem Balfagón Hotel & Spa eine Adresse, die ich persönlich sehr gerne empfehle.
Wandern.
Gut essen.
Schlafen.
Und nachts noch einmal nach oben schauen.
Manchmal braucht es nicht mehr für ein perfektes Wochenende.
Castellote – Templer, Berge, Wasser und Wein
Über Castellote erhebt sich auf einem Felsen die alte Burg.
Auch hier begegnet uns wieder die Geschichte der Ritterorden und insbesondere der Tempelritter.
Der Aufstieg lohnt sich aber selbst für diejenigen, die mit mittelalterlicher Geschichte wenig anfangen können.
Allein wegen der Aussicht.
Von oben öffnet sich der Blick über Castellote und weit hinein in die Landschaft des Maestrazgo.
Ein kurioses Detail
Im Mittelalter sollen Burgen und Wachtürme der Region über Sichtverbindungen miteinander kommuniziert haben. Mit Feuer- und Rauchsignalen konnten Nachrichten über mehrere Stationen weitergegeben werden – nach der Erläuterung bei der Führung durch den Templerturm von Castellote sogar bis in Richtung Morella.
Wenn die Templer zurückkehren
Am ersten Novemberwochenende wird diese Geschichte wieder lebendig.
Dann feiert Castellote sein Templerfest.
Die historischen Straßen und die Kulisse des Dorfes bilden den Rahmen für ein Fest, das ich jedem empfehlen würde, der zu dieser Zeit in der Gegend ist.
Es ist wirklich sehenswert.
Santolea – plötzlich Wasser
Nur wenige Kilometer entfernt wartet ein vollkommen anderes Landschaftsbild.
Der Stausee von Santolea liegt eingebettet zwischen Felsen und Bergen.
Das Wasser bildet einen eindrucksvollen Kontrast zur rauen Landschaft des Maestrazgo und macht die Umgebung zu einem Ort, an dem es sich lohnt, wieder etwas langsamer zu werden.
Und anschließend?
Vielleicht ein Glas Wein.
In Las Planas de Castellote befindet sich eine Kellerei, deren Weine für mich zu jenen gehören, bei denen man eigentlich für fast jede Gelegenheit den passenden findet.
Nach Burg, Bergen und Santolea ist das kein schlechter Abschluss eines Tages.
Das Matarraña – Dörfer aus Stein und eine Landschaft mit eigenem Charakter
Und irgendwann erreichen wir das Matarraña.
Die Region wird gerne als die „spanische Toskana“ bezeichnet.
Der Vergleich ist verständlich.
Hügel.
Olivenhaine.
Wein.
Mandelbäume.
Historische Dörfer aus Stein.
Aber vielleicht braucht das Matarraña diesen Vergleich überhaupt nicht.
Es muss nicht die spanische Version von irgendetwas sein.
Es besitzt längst seinen eigenen Charakter.
Orte wie La Fresneda, Calaceite oder Valderrobres haben ihre historischen Ortskerne bemerkenswert gut bewahrt.
Jeder ist anders.
Und jeder verdient es, ohne Eile entdeckt zu werden.
Valderrobres – Wasser, Stein und Burg
Valderrobres gehört zu den bekanntesten Orten des Matarraña.
Der Fluss gehört hier unmittelbar zum Bild des Dorfes.
Über die historische Brücke gelangt man in den alten Ortskern, während Kirche und Burg darüber die Silhouette bestimmen.
Es ist eines jener Bilder, bei denen Architektur und Landschaft kaum voneinander zu trennen sind.
Doch auch hier sollte die Entdeckung nicht am Ortsrand enden.
In der Umgebung gibt es ausgezeichnete Weingüter, Olivenhaine und eine Landschaft, in der man sehr schnell versteht, warum Landwirtschaft und Kultur hier seit Jahrhunderten zusammengehören.
Und mit etwas Glück kann man noch einen anderen Bewohner dieser Berge aus nächster Nähe kennenlernen:
den Gänsegeier.
In der Umgebung ist der als „Buitre Man“ bekannte Geierschützer für seine Fütterungen bekannt.
Wer diese mächtigen Vögel bisher nur als kleine Punkte hoch über den Bergen gesehen hat, bekommt dabei eine völlig andere Vorstellung von ihrer Größe.
Els Ports de Beseit – Natur in ihrer wildesten Form
Irgendwann würde ich die Dörfer hinter mir lassen.
Denn hinter ihnen wartet eine andere Welt.
Els Ports de Beseit.
Felswände steigen über tief eingeschnittenen Schluchten auf.
Flüsse haben sich durch Kalkstein gearbeitet.
Wasserbecken liegen zwischen gewaltigen Felsen.
Wälder ziehen sich die Hänge hinauf.
Und hinter einer Kurve kann die Landschaft vollkommen anders aussehen als wenige Minuten zuvor.
Manchmal wirkt sie tatsächlich, als käme sie von einem anderen Planeten.
Dem Matarraña folgen
Eine der bekanntesten Möglichkeiten, diese Landschaft zu erleben, führt entlang des Río Matarraña.
Stege und Wege begleiten das Wasser hinein zwischen immer enger werdende Felswände.
Doch auch hier sollte das Ziel nicht darin bestehen, möglichst schnell bis zum Ende zu gelangen.
Schauen.
Dem Wasser zuhören.
Nach oben blicken.
Und manchmal einfach stehen bleiben.
Der Ulldemó und „La Catedral“
Der Río Ulldemó führt tief hinein in eine der wildesten und eindrucksvollsten Landschaften der Ports de Beseit.
Je weiter man ihm folgt, desto mehr bestimmen Fels und Wasser den Weg. Die Schlucht wird enger, mächtige Kalksteinwände steigen empor und zwischen ihnen entstehen immer wieder natürliche Wasserbecken.
Tief im Inneren verbirgt sich schließlich ein ganz besonderer Ort: der Salt de Cabrit, unter Bergwanderern auch als „La Catedral“ bekannt.
Wenn man davorsteht, versteht man sofort, warum.
Die fast 60 Meter hohe Felswand bildet eine gewaltige, an die Apsis einer Kathedrale erinnernde Form. Direkt darunter liegt ein natürliches Wasserbecken.
Auf Fotografien lässt sich kaum vermitteln, wie beeindruckend dieser Ort tatsächlich ist.
Der Weg dorthin ist allerdings anspruchsvoll. Wasser gehört zur Route, trockenen Fußes kommt man nicht ans Ziel, und je nach Bedingungen verlangt der Zugang Trittsicherheit und entsprechende Erfahrung.
Kurz gesagt: kein Ausflug für Flip-Flops. 😉
Els Estrets d’Arnes
Auch bei Els Estrets d’Arnes bestimmen Wasser und gewaltige Felswände die Landschaft.
Und spätestens hier wird deutlich, warum es so schwierig ist, diese Region ausschließlich anhand heutiger Verwaltungsgrenzen zu erzählen.
Die Berge gehen weiter.
Die Schluchten gehen weiter.
Die Wälder gehen weiter.
Die Natur hat die Grenze offenbar übersehen.
Ein Dorf ist mehr als seine Häuser
Doch bei aller Schönheit sollten wir eines nicht vergessen.
Viele dieser kleinen Orte kämpfen seit Jahrzehnten mit Bevölkerungsverlust.
Offizielle Einwohnerzahlen erzählen dabei nur einen Teil der Geschichte.
Gerade in kleinen Bergdörfern kann die Zahl der Menschen, die tatsächlich das ganze Jahr dort leben, deutlich geringer sein als die Zahl der gemeldeten Einwohner.
Im Winter wird besonders sichtbar, wie dünn besiedelt manche Orte inzwischen sind.
Und wenn Menschen verschwinden, bleiben nicht einfach nur Häuser leer.
Es verschwinden Geschäfte.
Herden.
Bewirtschaftete Felder.
Genutzte Wege.
Handwerk.
Traditionen.
Und manchmal Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde.
Gleichzeitig verändert sich die Landschaft.
Denn vieles von dem, was wir heute als typische Natur- und Kulturlandschaft des Maestrazgo wahrnehmen, wurde über Jahrhunderte auch von Menschen geprägt.
Von Hirten.
Von Bauern.
Von Menschen, die Trockensteinmauern bauten.
Von jenen, die Holz aus dem Wald holten, Quellen pflegten, Wege offen hielten und Felder bewirtschafteten.
Deshalb reicht es nicht, ein historisches Dorf perfekt zu restaurieren.
Ein schönes Dorf ist noch kein lebendiges Dorf.
Es braucht Menschen, die dort leben können.
Reisen, ohne Orte zu konsumieren
Vielleicht können auch wir als Besucher einen kleinen Beitrag leisten.
Nicht indem wir möglichst viele Orte an einem Wochenende abhaken.
Und auch nicht, indem wir immer denselben Fotopunkt suchen, den bereits Tausende Menschen in den sozialen Netzwerken gesehen haben.
Sondern indem wir bleiben.
Einen Kaffee trinken.
Brot beim Bäcker kaufen.
In einem kleinen Restaurant essen.
Lokalen Wein probieren.
Käse, Olivenöl oder andere Produkte aus der Region mitnehmen.
Vielleicht eine Nacht länger bleiben.
Und respektieren, dass die schöne alte Haustür, die wir fotografieren möchten, möglicherweise der Eingang zu jemandes Zuhause ist.
Slow Travel bedeutet auch, einen Ort nicht nur zu konsumieren.
Eine Landschaft ohne Grenzen
Vielleicht ist es kein Zufall, dass es immer wieder Ideen gab, diese Berglandschaften gemeinsam zu betrachten.
Unter dem Namen „Tres Reinos“ – Drei Reiche entstand vor einigen Jahren sogar eine Vision, große Teile dieses Naturraums über die heutigen Verwaltungsgrenzen hinweg gemeinsam zu schützen.
Über das konkrete Projekt wurde kontrovers diskutiert.
Und die Frage, wie Naturschutz, Landwirtschaft, Viehzucht, wirtschaftliche Entwicklung und die Interessen der Menschen vor Ort miteinander verbunden werden können, ist alles andere als einfach.
Doch eine Grundidee lässt sich beim Wandern durch diese Landschaft erstaunlich leicht verstehen:
Die Natur bildet hier längst eine Einheit.
Ein Wald endet nicht an einer Provinzgrenze.
Ein Fluss ändert dort nicht seinen Charakter.
Ein Geier weiß nicht, über welcher autonomen Gemeinschaft er gerade fliegt.
Und alte Wege verbinden Dörfer, lange bevor moderne Verwaltungen ihre Grenzen gezogen haben.
Vielleicht sollten wir diese Landschaft deshalb manchmal genauso betrachten:
als Ganzes.
Fazit – wir sind doch längst da
Morella ist beeindruckend.
Sant Mateu ist voller Geschichte.
Natürlich sollte man beide kennenlernen.
Aber danach lohnt es sich weiterzufahren.
Vielleicht nach Catí.
Vielleicht nach Vallibona.
Nach Culla oder Ares.
Nach Mirambel, Cantavieja oder Castellote.
Vielleicht ins Matarraña.
Oder einfach in ein Dorf, dessen Namen man vorher noch nie gehört hat.
Man muss nicht zehn Orte an einem Tag sehen.
Manchmal reicht einer.
Ein Spaziergang.
Ein Kaffee.
Ein gutes Essen.
Ein Gespräch.
Ein alter Weg.
Und ein wenig Zeit.
Vielleicht fragt man sich irgendwann, warum wir auf Reisen so viel Energie darauf verwenden, möglichst schnell irgendwo anzukommen.
Wir sind doch längst da.
Häufig gestellte Fragen
Welche Dörfer im Maestrat und Maestrazgo sollte man besuchen?
Neben bekannten Orten wie Morella und Sant Mateu lohnt es sich, auch kleinere Dörfer wie Catí, Culla, Ares del Maestrat oder Vallibona zu entdecken. Im historischen Maestrazgo bieten Mirambel, Cantavieja und Castellote weitere Einblicke in die Geschichte und Landschaft dieser Bergregion. Wer noch weiterfährt, erreicht schließlich das Matarraña und die beeindruckende Natur der Ports de Beseit.
Was macht die Dörfer des Maestrat so besonders?
Viele dieser Orte haben ihren historischen Charakter bewahrt und sind eng mit ihrer Umgebung verbunden. Trockensteinmauern, alte Viehwege, Masías, Landwirtschaft, Wallfahrten und traditionelle Feste erzählen von einer Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte von den Menschen dieser Region geprägt wurde.
Kann man das Maestrat und den Maestrazgo mit dem Auto erkunden?
Ja. Ein Auto ist für die Erkundung vieler kleiner Bergdörfer besonders praktisch. Allerdings sollte man die Entfernungen nicht unterschätzen: Kurvenreiche Bergstraßen machen die Fahrt oft länger, als die Kilometerzahl vermuten lässt. Gerade deshalb lohnt es sich, weniger Orte einzuplanen und sich für jeden einzelnen mehr Zeit zu nehmen.
Wann ist die beste Reisezeit für das Maestrat?
Frühling und Herbst eignen sich besonders gut für die Kombination aus Dorfbesichtigungen und Wanderungen. Im Frühjahr blühen unter anderem die Mandelbäume, während der Herbst angenehmere Temperaturen und eine andere Farbpalette in die Landschaft bringt. Auch der Winter zeigt eine ruhigere, ursprünglichere Seite der Bergdörfer.
Was bedeutet Slow Travel im Maestrat?
Slow Travel bedeutet hier vor allem, nicht möglichst viele Orte in kurzer Zeit abzuhaken. Ein Kaffee im Dorf, ein Essen in einem kleinen Restaurant, eine Wanderung auf alten Wegen, der Kauf regionaler Produkte oder eine zusätzliche Übernachtung ermöglichen einen viel intensiveren Kontakt mit der Region und unterstützen gleichzeitig die lokale Wirtschaft.
Lohnt sich ein Ausflug in die Ports de Beseit?
Ja, besonders für Naturliebhaber und Wanderer. Schluchten, Flüsse, Kalksteinwände, natürliche Wasserbecken und Wälder prägen eine der wildesten Landschaften der Region. Einige Routen, etwa zum Salt de Cabrit am Río Ulldemó, sind allerdings anspruchsvoll und erfordern Trittsicherheit und entsprechende Erfahrung.
Lust auf mehr Maestrat? :
Entdecke das Maestrat (Teil 1): Viel mehr als nur ein Reiseziel
Entdecke das Maestrat (Teil 2): Die jahrtausendealten Olivenbäume des Maestrat
Entdecke das Maestrat (Teil 3) Les Moles, der Turmell und die Bergwelt des Maestrat
Entdecke das Maestrat (Teil 4) Käse aus dem Maestrat
Entdecke das Maestrat (Teil 5) Trüffel aus dem Maestrat
Demnächst in unserer Serie:
- Wandern zwischen Natur und Geschichte
- Trockenmauerbau
- Feste und Traditionen
- Die Geschmackswelt des Maestrat
- Das Maestrat im Wandel der Jahreszeiten
